Mitteilung des Bistums Fulda
„Zusammen geht was“: Mit dieser Leitidee startet Prälat Christof Steinert in das neue Jahr.
Während des Neujahrsgottesdienstes im Fuldaer Dom greift der Aufsichtsratsvorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Fulda das Caritas-Jahresmotto 2026 „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“ auf.
Er wirbt für Solidarität zwischen Jung und Alt und für einen Zusammenhalt, der Verantwortung teilt, gerade in einem Wahljahr mit wichtigen politischen Weichenstellungen.
Zugleich deutet er den Jahresbeginn als „Schwelle“: Wer sich dem Unplanbaren stellt, kann im Gottvertrauen gelassener und verantwortungsvoller handeln.
Prälat Christof Steinert beschreibt den Gottesdienst zum Neujahrstag als „Schwellengottesdienst“. Steinert lädt dazu ein, das neue Jahr nicht nur als Kalenderwechsel zu betrachten, sondern als Moment, in dem Menschen sich ihrer Vergänglichkeit bewusst werden und neu nach Orientierung suchen.
„Oft kommt es anders, als man denkt“, sagt er. Ein neues Jahr halte „Überraschungen mit existentiellen Folgen“ bereit.
Steinert erinnert an Erfahrungen, die viele Menschen noch präsent haben: die Corona-Pandemie, die Flutkatastrophe und den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine.
Solche Einschnitte zeigten, „dass wir vieles nicht in der Hand haben“. Gerade das löse Angst aus. Auch wenn sich vieles absichern lasse, „Unerwartetes“ bleibe dennoch nicht kontrollierbar.
Schwelle und Vertrauen
Mit Blick auf das Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Januar schlägt Steinert einen Bogen zur biblischen Maria. Auch sie sei von einer „unfassbaren Überraschung“ getroffen worden.
Der Ruf Gottes habe sie herausgefordert, und dennoch habe sie sich dem Unplanbaren gestellt. Sie habe Gott gewähren lassen. „Überraschungen sind nicht ursprungslos, nur weil wir mit ihnen im Hier und Jetzt nicht rechnen“, sagt Steinert.
Neujahr sei deshalb kein „Umschlagplatz“, an dem die alte Last gelöscht werde und das Leben mit einem Knopfdruck neu beginne. „Ich drücke keine Reset-Taste und beginne beim Nullpunkt“, betont Steinert.
Der Jahreswechsel sei vielmehr eine Unterbrechung im Strom der Zeit, ein Moment, in dem Menschen „einen betenden Augenblick vor dem Herrn der Zeit“ suchen und das Ungewisse in Gottes Hand legen können.
Gemeinsam gestalten
Von dieser Schwellenperspektive her führt Steinert direkt zum Jahresthema der Caritas 2026. „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“ sei eine bewusste Gegenthese gegen Polarisierungen und Spaltungen.
„Nur zusammen geht Zukunft“, so Steinert. Es brauche Neugier auf das Morgen und den Mut, gemeinsam zu gestalten.
„Im Jahr 2024 feierten mehr als doppelt so viele Menschen ihren 60. Geburtstag, wie Kinder geboren wurden“, verweist Steinert auf den demografischen Wandel.
Die Herausforderungen ließen sich nicht gegeneinander lösen: „Dem demografischen Wandel können die unterschiedlichen Generationen nur zusammen begegnen“, betont er. Resignation und Ohnmacht seien keine Optionen.
Für Steinert ist das Generationenthema dabei Teil eines größeren Auftrags: Zusammenhalt zu stärken und Verantwortung auch über Milieugrenzen hinweg zu teilen.
Begegnung und Dialog
Steinert deutet das Caritas-Jahresmotto ausdrücklich auch gesellschaftspolitisch. Gerade in einem Wahljahr brauche es eine Kultur, die Unterschiede aushält, ohne Menschen gegeneinander auszuspielen.
Kirche und Caritas könnten dazu beitragen, indem sie Räume für Begegnung und Dialog stärken und den Blick auf das Gemeinwohl wachhalten.
Dazu gehöre auch ökumenisches Handeln, so Steinert. Wo es um soziale Fragen und den Zusammenhalt der Gesellschaft gehe, müsse man Kräfte bündeln und mit Partnern zusammenarbeiten, die ähnliche Ziele verfolgen und dafür neue Formen der Zusammenarbeit einüben.
Solidarisches Zusammenwachsen
Dafür brauche es „Zukunftsmut“, betont Steinert: „Zukunftsmut überwindet die Ohnmacht und Sprachlosigkeit, er schärft den Möglichkeitssinn und lässt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken“, betont er.
Ein solidarisches Zusammenwachsen der Generationen sei der Schlüssel, um Wandel nicht als Krise zu erleben, sondern als gemeinsame Gestaltungsaufgabe.
Große und kleine Schuhe stünden im Bild der Caritaskampagne für unterschiedliche Generationen, die jeweils passendes Schuhwerk brauchen und doch miteinander verbunden sind, beschreibt Steinert.
„Sie gehen zusammen und gestalten gemeinsam Gegenwart und Zukunft“, so Steinert. Er greift dazu auch ein Wort von Papst Franziskus auf: „Dort, wo die Kinder und jungen Menschen mit den alten Menschen sprechen, ist Zukunft.“
Verantwortung teilen
Steinert verbindet diese Perspektive mit einem konkreten Appell: Gerade in Zeiten von Spaltungen und Unsicherheit brauche es Menschen, die den Dialog zwischen den Generationen stärken und Verantwortung teilen.
„Zusammen geht was“, so Steinert, sei deshalb mehr als ein Slogan, sondern eine Einladung, das neue Jahr als gemeinsame Aufgabe zu begreifen.
Zugleich deutet Steinert den Jahreswechsel als Chance, sich neu auszurichten. Nicht alles lasse sich planen, aber vieles lasse sich gemeinsam gestalten.
Wer sich im Gottvertrauen getragen wisse, könne mutiger aufeinander zugehen und Verantwortung teilen, im persönlichen Umfeld ebenso wie in Kirche und Gesellschaft.
Neujahrssegen und festliche Musik
Im Anschluss an den Gottesdienst erteilte Prälat Christof Steinert den traditionellen Neujahrssegen, mit dem das neue Jahr unter Gottes Schutz und Begleitung gestellt wird.
Musikalisch gestaltet wurde der Neujahrsgottesdienst von Domorganist Max Deisenroth an der großen Domorgel.




